Blutgerinnungsstörungen verbunden mit
Thrombosen nach COVID-19 Impfung mit dem
AstraZeneca Impfstoff (Vaxzevria)

Die Meldungen über Blutgerinnungsstörungen verbunden mit Thrombosen nach COVID-19 Impfungen mit dem Astra Zeneca Impfstoff haben zu großer Verunsicherung bei vielen Menschen geführt und auch zu vermehrten Anfragen von besorgten KrebspatientInnen und Angeh

Stellungnahme der OeGHO

Die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie (OeGHO) hat dazu eine Stellungnahme mit nachfolgendem Inhalt veröffentlicht:

COVID-19 Impfung | Allgemeine Informationen (Stand 21. April 2021)

Verfasser: S. Eichinger, P.A. Kyrle, I. Pabinger, P. Quehenberger (in alphabetischer Reihenfolge); Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie und Klinisches Institut für Labormedizin, Medizinische Universität Wien

Vor kurzem wurde über Blutgerinnungsstörungen verbunden mit Thrombosen nach COVID-19 Impfung (vakzininduzierte immunthrombotische Thrombozytopenie = VITT) mit dem AstraZeneca Impfstoff (Vaxzevria) berichtet. Im Folgenden finden Sie allgemeine kurzgefasste Informationen zu diesem Krankheitsbild.

  • Es gibt keinen Hinweis, dass Personen, die bereits eine Thrombose gehabt haben, oder einen angeborenen oder erworbenen Risikofaktor für Venenthrombosen haben (z.B. APC-Resistenz = Faktor V Leiden-Mutation), ein erhöhtes Risiko für VITT haben.
  • Grippeähnliche Symptome (Gelenk-, Muskel- und Kopfschmerzen) 1–2 Tage nach Impfung sind häufig und sind kein Anlass zur Besorgnis.
  • Auftreten der Symptome von VITT: 5–20 Tage nach der Impfung
  • Beschwerden, die auf eine VITT hindeuten könnten, sind massive Kopfschmerzen verbunden mit Schwindel, Übelkeit/Erbrechen, Sehstörungen, Luftnot, oder akute Schmerzen in Brustkorb, Bauch, Arm oder Bein. Solche Beschwerden könnten Ausdruck eines Blutgerinnsels (Thrombose) oder einer Verschleppung eines Gerinnsels im Körper (Embolie) sein.
  • Bei manchen Patienten traten Zeichen einer Blutungsneigung, wie blaue Flecken oder kleine Hauteinblutungen (Petechien) auf.
  • Solche Beschwerden sollten durch einen Arzt/eine Ärztin weiter abgeklärt werden (ggfs. bildgebende Diagnostik, z.B. Magnetresonanz, Ultraschall, Computertomographie).
  • Gleichzeitig soll eine Blutabnahme erfolgen, um die Thrombozytenzahl (Zahl der Blutplättchen), das D-Dimer und das Fibrinogen zu bestimmen.
  • Bei Verminderung der Thrombozyten (Thrombozytopenie) und/oder Nachweis einer Thrombose sollte eine Testung auf das Vorliegen von Antikörpern gegen PF4/Heparinkomplexe durchgeführt werden. Für das weitere Vorgehen siehe „Empfehlung zur Diagnostik und Therapie der VITT“ der Expertengruppe auf Anraten des österreichischen nationalen Impfgremiums.
  • Die Thrombozytopenie und die Thrombosen sind Folge einer Immunreaktion und haben mit der Entstehung sonstiger Thrombosen nichts gemein.
  • Die Zahl der Menschen, die bereits eine 2. COVID-19 Impfung mit dem AstraZeneca Impfstoff erhalten haben, ist noch gering. Bislang wurde VITT nach der 2. Impfung mit dem AstraZeneca Impfstoff nicht beobachtet.
  • Von der routinemäßigen Bestimmung der Thrombozytenzahl, des D-Dimer oder der Antikörper gegen PF4/Heparin nach Impfung, ohne dass Beschwerden oder Symptome vorhanden sind, raten wir ab.
  • Von der vorbeugenden Gabe gerinnungshemmender Medikamente zum Zeitpunkt der Impfung raten wir ab.

Diese Informationen benötigen nach Bekanntwerden neuer Erkenntnisse ggfs. einer Aktualisierung. Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass aufgrund der Seltenheit von VITT die Empfehlungen nicht evidenzbasiert sind.

Direkt-Link zur Original-Veröffentlichung der OeGHo:
https://www.oegho.at/covid-19-impfung-allgemeine-informationen-stand-21-april-2021/

Ergänzung der Österreichischen Krebshilfe
zu Thrombosen, die im Rahmen von Tumorerkrankungen aufgetreten sind

Die Österreichische Krebshilfe schließt sich der OeGHO-Stellungnahme an und weist darauf hin, dass dies auch für Thrombosen gilt, die im Rahmen einer Tumorerkrankung aufgetreten sind. Eine laufende Heparintherapie (therapeutisch oder prophylaktisch) kann im Rahmen der Impfung fortgeführt werden (keine Umstellung auf ein anderes Antikoagulans erforderlich).

 

Weiterführende Infos:
COVID-19-Impfempfehlungen für KrebspatientInnen